Die Bevölkerung des Limesgebiets

Im Gefolge der Soldaten kamen viele Siedler in die neu eroberten Gebiete im rechtsrheinischen Raum Germaniens. Die meisten von ihnen wanderten aus den schon länger von den Römern besetzten Gebieten links des Rheins zu.

Hoffnung auf ein besseres Leben

Manch einer darunter dürfte auf ein besseres Leben in der neuen Umgebung gehofft haben. Diese Menschen ließen sich in den Lagerdörfern der Kastelle, kleinen und größeren Ortschaften im Hinterland der Grenze und auf Gutshöfen (villae rusticae) nieder. Die Lagerdörfer der Kastelle entwickelten sich dabei schnell zu kleinen regionalen Zentren. Menschen aus vielen Teilen des Römischen Reiches trafen hier zusammen.

Soldaten aus Aquitanien und Cyrene

Die Einheiten der römischen Armee in den Limeskastellen stammten überwiegend aus weit entfernten Regionen des antiken Weltreichs. In Kastell Arnsburg waren nacheinander ab dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. zwei Einheiten stationiert, die ursprünglich in Aquitanien, also im (Süd-)Westen Frankreichs, aufgestellt worden war. Im nahen Butzbach lag ab etwa 135 n. Chr. die cohors II Augusta Cyrenaica equitata, eine teilweise berittene Einheit aus dem östlichen Libyen, und in Friedberg ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. eine rund 1.000 Mann starke Truppe teilweise berittener Bogenschützen aus dem Raum Damaskus (Syrien).

Die Familie lebte im Lagerdorf

Diese Männer kamen oft nicht allein: Offiziell war es den Soldaten der am Limes eingesetzten Einheiten zwar erst nach Ende ihrer Dienstzeit erlaubt, zu heiraten. Dennoch hatten viele von ihnen schon eine Familie, die im Lagerdorf lebte. In ihrer Freizeit konnten sich die Männer dort mit ihren Angehörigen treffen. Vor allem Gaststätten und die bei allen größeren Limeskastellen vorhandenen Bäder waren dafür die idealen Treffpunkte.

Anziehungspunkt Lagerdorf

Die Siedlungen bei den Limeskastellen zogen darüber hinaus vor allem Handwerker, Händler und Dienstleister jeglicher Art an. Einige dieser Geschäftsleute scheinen direkte Verbindungen zu den in den Kastellen stationierten Einheiten besessen zu haben. Im Übrigen sorgten die regelmäßigen Soldzahlungen an die Soldaten dafür, dass es in den Lagerdörfern für viele Menschen ein gesichertes Einkommen gab. Der Standort „Lagerdorf“ war für Geschäftsleute also nicht unattraktiv!

Parallelen zu Gießen

Die Verhältnisse erinnern ein wenig an die Geschichte der Stadt Gießen, die bis vor einigen Jahren selbst eine bedeutende Garnisonsstadt war. Auch hier ließen sich Angehörige der Soldaten nieder, lebten Geschäftsleute und Handwerker von der Armee.

(Gülcan Hür, Institut für Altertumswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen, cw)