Zwischen Glauben und Hoffen

Die römischen Gräberfelder im Limesgebiet befanden sich entlang der Ausfallstraßen vor den Toren der Kastelle und außerhalb der Lagerdörfer.

Vor dem Betreten einer Siedlung musste man also deren Friedhöfe passieren.

Bislang keine archäologischen Untersuchungen

Keines der Gräberfelder der Kastelle und Siedlungen im Gießener Land ist jedoch bis heute flächig untersucht. Nur in Arnsburg wurden bei Ausgrabungen 1893 ein paar Gräber geborgen. Allein dort und in Inheiden gab es aber in rund 150 Jahren Siedlungsdauer sicher mehrere hundert Bestattungen.

Brandbestattungen

In römischer Zeit wurden die Verstorbenen meist verbrannt. Dazu bahrte man die Toten auf einem Scheiterhaufen auf. Je nach Geldbeutel, kulturellen Traditionen und individuellen Vorlieben legte man Dinge des täglichen Bedarfs und aus dem Besitz des Toten dazu. In der Limesregion sind dies vor allem Speisen und Geschirr, aber auch Öllampen und Behälter für Duftöle. Dem Toten sollte es im Jenseits an nichts fehlen. Die Beigabe von Münzen ist ebenfalls bekannt. Mit ihnen sollte der Verstorbene die Überfahrt über den Unterweltsfluss bezahlen können. Wie neuere Untersuchungen zeigen, dürften zudem häufig Blumen und Girlanden die Scheiterhaufen geschmückt haben.

Die Asche wurde bestattet

Nach dem Verbrennungsvorgang löschte man die Überreste des Brandes ab. Die Asche und teilweise auch Reste der auf dem Scheiterhaufen mitverbrannten Beigaben sammelte man ein.

Oft gab man den Toten darüber hinaus unverbrannte Beigaben mit in die Gräber. In einigen Fällen deponierte man den Leichenbrand in aufwändigeren Metall- oder Glasurnen, meist aber in Tongefäßen, Holzkästchen oder Beuteln aus Stoff und Leder.

Ergruben-Gräber mit Holzstelen

Als Gräber dienten in der Regel einfache Erdgruben. Manchmal fasste man diese Gruben ein oder deckte sie ab. Die obertägigen Grabmarkierungen auf den Friedhöfen der Limeskastelle im Gießener Land dürften vor allem Holzstelen gewesen sein. Grabmonumente aus Stein, wie man sie im Hinterland des Limes häufiger finden kann, sind bisher nicht bekannt.

Vermischung der Bestattungsarten

Die Bestattungen spiegeln die sozialen Strukturen und kulturellen Traditionen der Bevölkerung der Limesregion. Hier mischten sich Einflüsse aus dem Mittelmeerraum mit keltisch-germanischen Vorstellungen. Opfer am Grab, die nicht nur an speziellen Gedenktagen stattfanden, spielte eine wichtige Rolle im Alltag der Menschen. Sie stellten sicher, dass die Verstorbenen nicht in Vergessenheit gerieten und im Jenseits mit allem Notwendigen versorgt blieben.

(Institut für Altertumswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen, cw)