Die Kastelle am Limes

Die römischen Militäreinheiten entlang des Obergermanisch-Rätischen Limes verteilten sich auf rund 120 befestigte Militärlager. Die Größe dieser Kastelle ist der darin stationierten Einheit angepasst: so in Arnsburg einer teilweise berittenen Kohorte (cohors) mit über 500 Soldaten und Pferden oder in Inheiden einem numerus mit etwa 160 Mann.

Genormter Bauplan

Der rechtwinklige Bauplan der Kastelle war im gesamten Römischen Reich nahezu gleich: Die Umwehrung bestand aus einem oder mehreren Gräben, einem mit Holzkonstruktionen verstärkten Erdwall oder einer Mauer, oft mit Eck- und Zwischentürmen, und meist vier von Türmen geschützten Toren.
In der Nähe des Haupttores befand sich das Wohngebäude des Kommandanten (praetorium).
An der Kreuzung der beiden Lagehauptstraßen (via praetoria und via principalis) lag das Stabs- und Verwaltungsgebäude (principia). Oft war die Kreuzung davor mit einer großen Halle überbaut, die für Apelle und zum Exerzieren genutzt wurde.
Das Stabsgebäude war der Sitz der Verwaltung jedes Kastells.

Offener Säulenhof

Um einen offenen Säulenhof gruppierten sich Schreibstuben, Waffenkammern, Versammlungsräume, Arrestzellen und das Fahnenheiligtum (aedes).

Das Fahnenheiligtum

Hier wurden die Feldzeichen, die von der Truppe verehrten Bildnisse des Kaiserhauses und Wertsachen wie die Truppenkasse (aerarium) aufbewahrt. Daher besaß dieser Raum eine eigene Ehrenwache.

Die Außenmauern der Kastelle und der Gebäude waren weiß verputzt; rote Fugenstriche täuschten massive Steinquader vor. Das sollte Besucher beeindrucken und einschüchtern.

Nahrungsmittel-Speicher

In Speichern (horrea) bewahrte man die Vorräte auf. Die Nahrungsmittel wie Getreide lagerten darin gut durchlüftet auf erhöhten Böden und waren somit auch vor Schädlingen wie Mäusen geschützt.

Die Mannschaftsunterkünfte

Die Soldaten lebten in großen Mannschaftsunterkünften. Jede Zenturie à etwa 80 Mann besaß eine Baracke (centuria). Je acht Mann (contubernium) teilten sich darin eine Stube, in der sie schliefen, kochten und ihre Aufrüstung aufbewahrten. Die Offiziere hatten an einem Ende der Unterkunft eine größere Wohnung für sich alleine.

Funktionsbauten

Neben diesen Gebäuden konnte es im Lagerinneren weitere Funktionsbauten wie Werkstätten, Wirtschaftsgebäude, Stallungen, ein Lazarett und Latrinen geben.

Mehr Kaserne als Festung

Die Kastelle waren zu keiner Zeit "Festungen"; die man verteidigen wollte – sie hatten den Charakter befestigter Kasernen, die als Basis der dort stationierten Einheiten dienten.

(Sebastian Halbe, Institut für Altertumswissenschaften der Justus-Liebig-Universität, cw)