Pohlheim - Kleinkastell Holzheimer Unterwald

Heutzutage im dichten Wald versteckt liegt das Holzheimer Kleinkastell. Es ist eines von zwei Kleinkastellen am Pohlheimer Limes.

In einem solchen Kleinkastell waren rund dreißig Soldaten untergebracht, die von hier aus ein Teilstück des Limes kontrollierten. Die nächsten großen Kastelle mit jeweils einer Kohorte - 1000 Mann - lagen in Arnsburg und in Butzbach. Das Holzheimer Kastell liegt direkt hinter dem Limes, dessen Wall hier noch bis zu zwei Metern Höhe erhalten ist. Im früheren Limesgraben verläuft heute der Wanderweg.

Wie sah das Kastell aus?

Das Kastell war sehr klein und mit 19 Metern Breite x 17 Metern Länge fast quadratisch. Die zweischalige Außenmauer war aus dem gleichen dunklen Basalt gebaut, der auch für die moderne Konservierung verwendet wurde. Diese Steine fanden die Römer in Steinbrüchen in der Gegend. Eine Besonderheit dieses Kleinkastells: die Mauerecken waren nicht abgerundet.

Außen war die Kastellmauer von einem zwei Meter breiten und ein Meter tiefen Spitzgraben umgeben. Bei den Ausgrabungen der Reichs-Limes-Kommission im Jahre 1894 war dieser Graben noch gut zu sehen. Das Material, das die Römer hier ausgruben, verwendeten sie anschliessend für die Fachwerkfüllung der Mannschaftsbaracken. Der Graben war vermutlich weniger dazu gedacht Eindringlinge abzuhalten, als Regenwasser abzuleiten.

Haupttor zum Limes

Das Haupttor des Kastells öffnete sich zum Limes. Mit zweieinhalb Metern war es so breit, dass Fuhrwerke hindurch fahren konnten. Über dem Tor erhob sich ein Turm, von dem die Soldaten aus die angrenzenden Limestürme und weit in das Lahntal sehen konnten. Vermutlich diente das Kastell der Fernaufklärung in diese Richtung, dafür spricht die Ausrichtung des Haupttores mit dem Turm. Über der Eingangstür eines Kastells befand sich üblicherweise eine Inschriftentafel mit dem Namen der Kohorte. Diese Tafel wurde bis heute nicht gefunden, möglicherweise haben die Soldaten sie bei ihrem Abzug mitgenommen.

Innen im Kastell

Im Innern standen rechts und links die Fachwerkbauten mit den Mannschaftsbaracken für die Soldaten. Die im Boden versenkten modernen Holzlatten zeigen die Umrisse. Vor den Bauten verlief ein überdachter Laubengang. Der Weg dazwischen war gepflastert, das Pflaster war bei den Ausgrabungen teilweise noch erhalten.

Keine Dachziegel aus Ton

Was die Archäologen hier bei ihren Grabungen überhaupt nicht gefunden haben, sind Dachziegel aus Ton. Die Dächer waren vermutlich, genau wie bei den Limestürmen in unserer Gegend, mit Holzschindeln bedeckt.

Die Rekonstruktion 1995

Von 1991 – 1995 wurde das Kastell vom Denkmalamt untersucht und danach so konserviert, dass es einen guten Eindruck vom ursprünglichen Aussehen in der zweiten und letzten Bauphase des Kastells vermittelt. Die Außenmauer wurde einen halben Meter mit den Original-Basaltsteinen aufgemauert, die Lage der Baracken im Inneren mit Holzlatten markiert. Der Verlauf des ehemaligen Grabens um die Außenmauer herum wurde damals mit schwarzem Split markiert, von dem heute jedoch fast nichts mehr zu erkennen ist.

Die zwei Bauphasen des Kastells

Bei den Grabungen wurden zwei Bauphasen identifiziert: In der ersten Bauphase hatte das Kastell zwei Ausgänge: das Haupttor zum Limes und ein kleineres, nur 1.20 m breites Tor zur heutigen Straße. Die Mannschaftsbaracken waren beide gleich lang.

Das rekonstruierte Kastell zeigt heute den Zustand der zweiten Bauphase. Das Tor zur Straße wurde zugemauert. Auf der einen Seite wurden die Unterkünfte zur Hälfte abgerissen und stattdessen dort eine 9,5 Meter tiefe Zisterne angelegt, um die Versorgung mit Frischwasser innerhalb des Kastells zu sichern. Vermutlich waren in der zweiten Bauphase weniger Soldaten im Kastell untergebracht.

(ssb)