Der Limes – Grenze und Kontaktzone zwischen Kulturen

Der Obergermanisch-Rätische Limes zwischen Rhein und Donau ist ein Abschnitt der Nordgrenze des Römischen Reiches. Mit 550 km Länge ist er das größte archäologische Denkmal Deutschlands.

Seine Anlagen bildeten für über 150 Jahre die Außengrenze der Provinzen Obergermanien (Germania Superior) und Rätien (Raetia).

Seit 10 Jahren Unesco-Weltkulturerbe

Die Überreste dieser Grenze in Deutschland wurden 2005 zum Welterbe der UNESCO ernannt. Der Landkreis Gießen hat auf insgesamt 23,4 km Länge und mit zwei Kastellen (Arnsburg, Inheiden), sechs Kleinkastellen sowie bislang 26 bekannten Wachtturmstellen Anteil an diesem Erbe der Menschheit.

Teil des römischen Reiches

Unter Kaiser Vespasian (69/70-79 n. Chr.) wurde der Süden des Gießener Landes Teil des Römischen Reiches. Um 85 n. Chr. richtete Domitian (81-96 n. Chr.) die Provinz Obergermanien mit der Hauptstadt Mainz (Mogontiacum) ein. Bald darauf begann man mit der Anlage der Außengrenze. Diese künstlich angelegte Linie ist ein Zeugnis der Fähigkeiten römischer Ingenieure. Die Grenze führte in vielen Abschnitten ohne Rücksicht auf das Gelände schnurgerade durch die Landschaft.

Vom Rheintal bis an die Donau

Sie verlief vom Rheintal durch den Taunus und die Wetterau zum Main und zunächst weiter über den Odenwald und das Neckartal bis an die Donau. In ihrem Schutz entwickelte sich eine Kulturlandschaft mit Städten, Dörfern und Landgütern.

Limes bedeutet Schneise

Das Wort "limes" steht im Lateinischen für "Schneise" oder "Straße". Der Limes war eine künstlich geschaffene, aber zu keiner Zeit eine unpassierbare Grenze. Übergänge erlaubten das Passieren unter Aufsicht der römischen Armee. Somit bildete die Grenze auch eine Kontaktzone verschiedener Kulturen.

Veränderungen, Ausbau, Aufgabe

Die ersten Grenzanlagen bestanden um 100 n. Chr. aus Schneisen, die von einem Postenweg und Holztürmen aus überwacht wurden. Etwa 120 n. Chr. errichtete man eine Palisade vor dem Postenweg. Mitte des 2. Jahrhunderts n. wurden die Holz- durch Steintürme ersetzt. Bald danach (vor 160 n. Chr.) verlegt man die Grenze ein letztes Mal in großen Teilen. An dieser vorderen Linie entstanden um 200 n. Chr. Wall und Graben oder eine Mauer als Annäherungshindernisse. 260/270 n. Chr. räumte die Armee den Limes und gab das rechtsrheinische Gebiet auf.

Sichtbare Überreste der antiken Grenze

Die Überreste der antiken Grenze sind heute vor allem noch in Waldgebieten sichtbar. An manchen Stellen wurde der alte Grenzverlauf im Mittelalter wieder befestigt. In der Neuzeit diente seine Spuren als Richtpunkte für die Festlegung von Flur- und Gemarkungsgrenzen.

(Thomas Peter König, Institut für Altertumswissenschaften der Justus-Liebig-Universität, cw)